Als Life Hack wer­den im all­ge­meinen kleine Tricks beze­ich­net, die spez­i­fis­che Auf­gaben des täglichen Lebens ein­fach­er lösen lassen. Bekan­nte Beispiele sind das geschick­te Fal­ten von Ober­hem­den in Kof­fern, um sie knit­te­frei im Hotelz­im­mer aufhön­gen zu kön­nen, oder das wirk­lich super-ein­fache Ent­fer­nen des Kerns ein­er Avo­ca­do.

Der größte Life Hack aller Zeit­en ist jedoch kein weit­er­er Trick, um Zeit oder Mühe zu sparen, son­dern ein sim­pler Entschluss, seinem Leben eine neue, bish­er nicht für möglich gehal­tene Wen­dung zu geben und Qual­ität zu ver­lei­hen. Der Unter­schied zwis­chen einem kon­ven­tionellen, durch viele überkommene, nicht mehr zeit­gemäße Regeln eingeschränk­ten Leben zu ein­er unkon­ven­tionellen, selb­st­bes­timmten Lebensweise ist sehr klein – und sehr wirkungsvoll.

Unsere Welt ist durch­set­zt von Kon­ven­tio­nen aller Art, die von Gen­er­a­tion zu Gen­er­a­tion basierend auf Reli­gio­nen, Zuge­hörigkeit zu ein­er bes­timmten Bevölkerungs­gruppe oder einem Geschlecht, ein­er Haut­farbe und anderen äußer­lichen Merk­malen, weit­er ver­mit­telt wer­den. In vie­len Regio­nen und Eth­nien sind selb­st im Jahr 2019 Part­ner­schaften mit Part­nern ander­er Grup­pen ver­boten oder zumin­d­est ver­pönt. Dabei han­deln Indi­viduen häu­fig kon­ven­tion­s­gemäß, nicht etwa weil sie selb­st von der Sinnhaftigkeit dieser Regel überzeugt wären, son­dern „weil man es so macht“ oder „weil man es erwartet“.

Kon­ven­tio­nen – Regeln, die sich Grup­pen geben – sind nichts anderes als Geschicht­en, die man einan­der erzählt und an die man glaubt. Yuval Noah Harari hat dies in seinem sehr empfehlenswerten Buch Sapi­ens – Eine kurze Geschichte der Men­schheit ein­drück­lich geschildert. Kon­ven­tio­nen stärken den Zusam­men­halt der Gruppe und gren­zen ihre Mit­glieder gegen Mit­glieder ander­er Grup­pen ab. In kein­er Phase seit dem 2. Weltkrieg ist das Bemühen um Abgren­zung einzel­ner Bevölkerungs­grup­pen und Regio­nen stärk­er zu spüren als in den let­zten Jahren. Sim­pli­fiziert mag der Grund dafür in ein­er von vie­len Men­schen wahrgenomme­nen steigen­den Unsicher­heit über die zukün­ftige poli­tis­chen, ökonomis­chen und ökol­o­gis­che Entwick­lung unser­er Erde liegen.

Gesellschaftliche Entwick­lun­gen sind das eine, die invid­i­uelle Entwick­lung jedes Einzel­nen das andere. Nur zu leicht sind wir bere­it, unsere eige­nen Fähigkeit­en und die Auswirkun­gen unseres indi­vidu­ellen Han­delns auf die Gesellschaft als wenig rel­e­vant und zu ger­ing einzuschätzen. Dies begin­nt beim kri­tisch zu sehen­den Verniedlichen eige­nen ökol­o­gis­chen Ver­hal­tens – „Was bringt es schon, wenn (nur) ich mit der U‑Bahn snstatt mit dem Auto fahre“ – und geht ander­er­seits bis zum mehr oder weniger unbe­wussten Über­stulpen gesellschaftlich­er Kon­ven­tio­nen auf das eigene Ver­hal­ten – „Ich muss viel und hart arbeit­en, um ein erfol­gre­ich­er Man­ag­er zu sein“. Wenn wir unsere Lebenswirk­lichkeit auf die Über­nahme von Kon­ven­tio­nen hin analysieren, wer­den wir fest­stellen, dass viele unser­er Ver­hal­tensweisen nicht unserem eige­nen Willen entsprin­gen, son­dern das Ergeb­nis irgen­dein­er Regel sind (hier ist ein selb­stkri­tis­ch­er Blick hil­fre­ich).

Wenn Du nicht gewin­nen kannst, änder­st Du die Spiel­regeln. Und wenn Du die Regeln nicht ändern kannst, ignori­erst Du sie.

Von diesen Regeln gibt es so viele, dass nur wenige Men­schen von sich behaupten, ein wirk­lich selb­s­bes­timmtes Leben zu führen. Und genau hierin liegt der Fehler – sowie gle­ichzeit­ig die Chance auf den größten Life Hack aller Zeit­en: im Weg­w­er­fen dieser alten, nicht mehr zeit­gemäßen, für mich nicht notwendi­ger­weise gel­tenden Regeln. Sobald ich mein Ver­hal­ten auf der­ar­tige Regeln über­prüfe und beginne, sie aktiv zu ignori­eren, füge ich meinem Leben sukzes­sive mehr Eigenbes­timmtheit hinzu. Je weniger ich Kon­ven­tio­nen und Regeln, die andere (irgend­wann, irgend­wo) erstellt haben, für mich gel­ten lasse, desto freier werde ich und desto mehr Kreativ­ität kann ich in meine eigene Lebens­gestal­tung leg­en: Ich übernehme nicht mehr die Erwartun­gen und Ziele ander­er, son­dern set­ze mir meine eige­nen, bewusst gewählten Ziele. So werde ich diejenige, die “im driver‘s seat sitzt”, die ihr Leben in der eige­nen Hand hat.

In den fol­gen­den Beiträ­gen wer­den wir – ganz im Sinne der oben geschilderten prak­tis­chen Life Hacks – Anleitun­gen und Hin­weise geben, wie Kon­ven­tio­nen durch eigene selb­s­bes­timmte Lebens­mod­elle erset­zt und per­sön­liche Wach­s­tum­sziele erre­icht wer­den kön­nen. Dies wird für all diejeni­gen inter­es­sant sein. die nicht ein “nor­males Leben” führen, sich dage­gen von ein­er mit­telmäßi­gen Welt­sicht ver­ab­schieden und zu unkon­ven­tionellen Per­sön­lichkeit­en wer­den wollen

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